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Golf- und Landclub Bergkramerhof

Ökologische Golfanlage „Aus einer Not – wird eine Tugend“ 

von Klaus Pfeffermann

Das Jahr 2012 wird die Vorstandschaft der Golfanlage Gut Bergkramerhof bestimmt nicht so schnell vergessen. Dem im Voralpenland auf einer Hügellandschaft, oberhalb des Isartals bei Wolfratshausen, beheimateten Golf Club drohte das „AUS“!'
Der Grund? Ein Brief landete im Büro des Golfclubs, in dem der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, auf den ersten 9 Spielbahnen der 18 Löcher-Anlage, nochmals untersagt wurde. Die Begründung war simpel, diese Spielbahnen liegen in einem Wasserschutzgebiet. Bereits in der Baugenehmigung für die Golfanlage, Anfang der 90er Jahre, war das Wasserschutzgebiet in den Bauplänen eingezeichnet.
Aber das, schon mit der Baugenehmigung ausgesprochene, Verbot auf diesem Teil des Geländes keine chemischen Pflanzenschutzmitteln einzusetzen, wurde im Laufe der Jahre von den verantwortlichen Club Gremien immer weniger beachtet.


Nach dem Eingang des Briefes war für die Verantwortlichen guter Rat teuer. Der GC Bergkramerhof hatten eigentlich nur die Möglichkeit den Spielbetrieb auf neun Spielbahnen, wie bisher mit Pestiziden zu behandeln und auf neun Spielbahnen ohne Einsatz von Chemie, weiter zu führen. Hierbei stand natürlich die Gefahr im Raum, die Spielbahnen, der beliebten Golfanlage im Voralpenland, präsentieren sich den Spielern innerhalb kurzer Zeit in einem sehr unterschiedlichen Pflegezustand.
Präsident Dr. Josef Hingerl und seine Mitarbeiter beobachteten deshalb die Entwicklung, der mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelten und der unbehandelten Flächen, zwei Jahre sehr genau. Das Ergebnis war überraschend, aber ganz im Sinne von Präsident Hingerl, der Pflegezustand aller 18 Löcher war zufriedenstellend. Somit gibt es einen Weg die komplette Anlage mit 18 Löcher zu erhalten.
Ende 2014 verkündete Dr. Hingerl seine Entscheidung: „Ab 2015 auf allen Spielbahnen und Grüns des GC Gut Bergkramerhof keine chemischen Pflanzenschutzmittel mehr einzusetzen.“!



Aus der Golfanlage Gut Bergkramerhof wurde eine Ökologische Golfanlage

Diese Ankündigung haben viele Mitglieder mit, sagen wir es vorsichtig, großer Skepsis aufgenommen. Die ersten Maßnahmen waren: Die Green Keeper setzten ab Saisonbeginn 2015 auf den Grüns 3x wöchentlich ein UVC-Lichtgerät ein. Das UVC-Licht soll die Gräser vor Pilzbefall schützen. Eine neue Grasorte, die Tiefer wurzelt, wurde auf den Grüns eingesetzt . Diese hat sich im trockenen Sommer 2015 bestens bewährt. Auch die Pflege-Aufwand musste merklich erhöht werden.
Der GC Bergkramerhof war übrigens 2015 die erste Golfanlage Deutschlands, die den Versuch mit UVC-Licht in der Praxis wagte.
Ab der Saison 2016 werden nun die Grüns grundsätzlich nur noch mit Handmähgeräten geschnitten und öfter als in den vergangenen Jahren belüftet.

Auch die Mitglieder wurden aufgefordert bei der Pflege der Grüns einen Beitrag zu leisten

Die Mithilfe, eigentlich eine Selbstverständlichkeit für alle Golf-Spieler, fordert: „Pitchmarken sofort ausbessern“. Untersuchungen haben gezeigt, Balleinschläge und Pitchmarken sind für die Pflanzen wie eine offene Wunde in denen Pilze und andere Krankheiten in den Rasen eindringen können. 4-6 Wochen dauert es bis diese Verletzungen ausgeheilt sind. Durch Pitchmarken und Balleinschläge, die sofort ausgebessert werden entsteht kein Schaden.

Ich habe Dr. Hingerl im Mai 2016 auf seiner ökologischen Golfanlage über dem Isartal besucht. Mit etwas Stolz über das Erreichte führte er mich über einige Spielbahnen und Grüns. Das Ergebnis ein Jahr ohne Chemieeinsatz auf allen 18 Spielbahnen, ist beeindruckend!
Auch die meisten Mitglieder sind inzwischen von der richtigen Entscheidung ihres Präsidenten, keine Chemie mehr auf den Spielbahnen am Bergkramerhof einzusetzen, überzeugt.
Natürlich gab es auch einige Rückschläge, wie mir Dr. Hingerl erzählte. Nach der Aerifizierung im Sommer 2015 haben es die Green-Keeper mit einen natürlichen Algendünger versucht. Der Versuch war ein Schuss ins Leere. Er wirkte einfach nicht!
Die Grüns benötigten wesentlich länger zur Erholung von den Eingriffen (mehrere Wochen statt weniger Tage). Nun werden wir es 2016 mit einen neuen, vom Wasserwirtschaftsamt genehmigten Natur-Dünger versuchen, führte Dr. Hingerl aus.

Unser Eindruck, der Versuch gänzlich ohne Chemie zu arbeiten hat sich am Bergkramerhof aus heutiger Sicht gelohnt. Aus der Not eine Tugend zu machen war mutig und richtig. Natürlich wird es ohne Chemie auf den Fairways wahrscheinlich etwas mehr Löwenzahn oder Klee geben. Aber diesen Preis sollten die Golfer für mehr Umweltschutz einfach in Kauf nehmen. Oder?

Nur eine Aussage von Dr. Hingerl machte mich fast sprachlos: „Weder der Deutsche Golf Verband, noch die benachbarten Golfclubs des Großraums München haben sich bisher für die Erfahrungen, eine Golfanlage OHNE Einsatz von Chemie spielfähig zu pflegen, interessiert“. In meinen Augen ein Skandal. Alle Golfer müssen doch großes Interesse haben, den Golfsport in der Öffentlichkeit vom Image der Umweltschädigung, zu befreien.

Versuche, Golfanlagen ohne Chemie zu pflegen sollte in allen Regionen Deutschlands, durch Anregung und mit Unterstützung des DGV, unternommen werden.

Wir von GOLFplus glauben, so eine Aktion, unterstützt mit PR-Maßnahmen des DGV bringt mehr Erfolg in der breiten Öffentlichkeit, als so manche teuere Fernseh-Werbung zur Image-Verbesserung und Mitgliederwerbung.

Fotos: GC Bergkramer Hof

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