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ARCHIV

Marokko:

Nachvibrierende Traditionen


Text und Fotos von Roland Hanewald

Mein Arabisch war noch recht brüchig, und Französisch konnte der Kellner (ausnahmsweise) nicht. Es ging um den Preis für ein Gericht, und er wollte ihn mir aufschreiben, fand aber keinen Stift. Kurz entschlossen gabelte er ins Salatbuffet, fischte ein Stück rote Bete heraus und schrieb den Preis damit auf eine Papierserviette. Jetzt verstand ich.
Sie sind pfiffig, die Marokkaner, und jene von Agadir sind es ganz besonders, denn ihre Gewitztheit ist aus der Not geboren.

Im Jahre 1960 endete die Existenz ihrer Stadt, die der deutsche Forscher Gerhard Rohlfs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch als „einen der schönsten Häfen der Welt“ beschrieben hatte, in den Konvulsionen eines furchtbaren Erdbebens. Agadir, zu deutsch „Speicherburg“, wurde zur Gänze zerstört.

 

Die Stadt entstand danach von Grund auf neu. Erbaut im unglücklichen Stil der 1960er und ohne Anlehnung an gewachsene Traditionen, hat sie heute das Flair eines x-beliebigen Vorortes auf der Welt, in den die Touristen besser hineinpassen als die Marokkaner. Und dennoch. Allein der Strand, acht Kilometer lang und einer der gepflegtesten des Landes mit blitzsauberem Wasser, macht Agadir zu einer begehrten Reisedestination, und wenn man ein wenig hinter die modernen Kulissen schaut, entdeckt man manche orientalische Perle: die alte Kasbah, Souks, Basare, schöne Park- und Gartenanlagen arabischen Stils, weiter im Süden saharische Düneneinsamkeit.

Ein Muss auf der Besichtigungsliste ist auch der riesige Fischereihafen, Heim der größten Sardinenfängerflotte der Welt und somit eine wahre Fundgrube von Fotomotiven.
Direkt am Kai kann man sich an frisch angelandeten und auf Holzkohlen gegrillten Sardinen laben – ein Hochgenuss! (Der übrigens nur die Hälfte kostet, wenn man nicht von einem garantiert kosten sparenden Fremdenführer begleitet wird.

Sie sind Schlitzohren, durch die Bank, und denken sich immer neue Abzocktricks aus!)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Bilder oben: Auf dem Fischmarkt gibt es interessante Fotomotive in Menge, Ständig werden neue Boote zur Ergänzung der Flottgebaut, Die Moschee ist das herausragendste Gebäude Agadirs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Bilder: Überall prangt Blumenschmuck in Agadir, Die Märkte Agadirs bieten eine Vielzahl farbiger Szenen; Die Einheimischen zeigen allesamt zufriedene Mienen

 

  


Marrakesch

 

Mehr noch, nicht zuletzt wegen ganz ähnlicher Typen, wird man sich in Marrakesch, ein Stück nördlicher gelegen, in den alten Orient à la 1001 Nacht versetzt fühlen. Die Stadt ist Marokkos touristisches Zentrum, denn in ihr blieb vieles aus der bunten Geschichte des Landes erhalten und trägt weiterhin zu dem orientalischen Zauber bei, der moderneren Städten (wie Casablanca) fast gänzlich abgeht.
Marrakesch wurde schon 1062 von den Almoraviden gegründet, einem saharischen Stamm, der nur hundert Jahre später über ein Reich gebot, das sich im Norden bis zu den Pyrenäen und im Osten bis Libyen erstreckte. Darauf ist man noch heute mächtig stolz. Marrakesch blieb die Hauptstadt des Riesenlandes.
Der Name, durch sprach ungewandte Ausländer früh korrumpiert, stand Pate für das Wort „Marokko“. In Marrakesch, mittig im Land gelegen, liefen die Karawanenwege zusammen, und hier erholten sich die Handelsmänner von den Strapazen der Reise und den Wunden, die ihnen räuberisches Gesindel unterwegs geschlagen hatte. Es ging stets bunt zu in dieser Stadt, und daran hat sich im Zeichen von mindestens einer Viertelmillion jährlicher Besucher bis in die Gegenwart wenig geändert.


Der ausgedehnte Platz Jemaa el Fna ist nicht nur der Mittelpunkt Marrakeschs, sondern gewissermaßen ganz Marokkos. Das Wort bedeutet „Richtstätte“, denn früher wurden hier Räuber (und Regimefeinde) einen Kopf kürzer gemacht, wobei es an Publikum, das rollende Köpfe unterhaltsam fand, nicht mangelte.

 

Heute rollt auf dem Jemaa el Fna kein Kopf mehr. Nur noch der Rubel, bzw. Euro, von dem die Eingeborenen das nunmehr touristische Publikum nach besten Kräften zu befreien suchen. Dafür stellen sie einiges auf die Beine, hauptsächlich sich selbst. In Gestalt von Wasserverkäufern, Musikanten, Gauklern, Schlangenbeschwörern und Akrobaten bestreiten zahlreiche Protagonisten auf dem Jemaa el Fna ihren ausschließlichen Lebensunterhalt vom Geknipst werden. Wehe, der Tourist weigert sich, seinen Obolus dafür zu entrichten! Insbesondere die farbenprächtig gewandeten Wassermänner heften flinke Äuglein auf den kamerabewehrten Fremden und verfolgen jede seiner Bewegungen. Hat sich seine Linse auf uns gerichtet? Schon beginnt das große Heischen, und reicht die Gabe nicht aus, so kann man Gesichter beobachten, wie man sie von Saddam Hussein kennt: zu Bitterbösigkeit zerknautschte Physiognomien, sozusagen eine arabische Spezialität.

 

Am Abend verschwinden die ambulanten Models und machen einer Unzahl von Garküchen Platz, die im Handumdrehen errichtet werden und die, wie es scheint, sämtliche Genüsse des Orients zu produzieren vermögen.
Sie sind keineswegs nur für die Touristen da, denn im Lauf des Abends werden hier bestimmt Tausende von Einheimischen verköstigt, die sich den preiswerten Gerichten mit hörbarem Vergnügen widmen.
Auf der Münchner Wies´n könnte es nicht uriger zugehen. Nur dass hier kein Bier fließt, sondern „marokkanischer Whiskey“: Pfefferminztee, das Nationalgetränk.
Die meisten anderen Sehenswürdigkeiten Marrakeschs liegen im dichten Umfeld des Jemaa el Fna. An der Koutoubia-Moschee aus dem 12. Jahrhundert kann man kaum vorbeisehen, namentlich an dem 70 Meter hohen Minarett, das frühere Sultane zu Pferde erklimmen konnten. Erdnäher ist die Altstadt, ein verwinkeltes Labyrinth schmaler und dunkler Gassen, die aber gar nicht „unheimlich“ sind, wie es manche Reiseberichte darstellen, sondern zu einer Vielzahl von kleinen, einfachen, aber pieksauberen und überaus preiswerten Hotelchen führen, in denen man zu Preisen ab 10 Euro pro DZ eigentlich mal logiert haben sollte, denn sie verkörpern den orientalischen Flair Marrakeschs wie kaum etwas anderes.
Natürlich kann man auch unter mehr als einem Stern und zu mehr als zehn Euros nächtigen.

 

Das Hotel Mamounia, eine Sehenswürdigkeit als solches, ist Marokkos nobelste Herberge und zählt sogar mit zur Weltspitze
Hier stieg schon Winston Churchill 1943 gerne ab und versäumte nach einigen Stadttouren in seinen Memoiren nicht die Erwähnung „der bestens eingerichteten und größten Freudenhäuser des ganzen afrikanischen Kontinents“.
Wohl weniger derenthalben als wegen der phantastischen Parkanlagen des Mamounia zog es ihn nach dem Krieg nach Marrakesch zurück, um dort der Malerei zu frönen – die Stadt ist eben malerisch, nach wie vor, und trägt deswegen auch den Ehrentitel „Paris der Sahara“.

Am Besten, man lässt sich einmal in einer „kutschi“ durch Marrakesch chauffieren, um dieses afrikanische Paris in seiner ganzen Länge und Breite kennen zu lernen.
Man bedenke allerdings: Den Kutscher zu knipsen, kostet extra. Falls er sich überhaupt fotografieren lässt – viele sind überzeugte Muslime und denken da anders als die Wassermänner. Aber man hat die Wahl. Wenn einer nicht will, wendet man sich eben an den nächsten..

 

 

 

Ein königliches Vergnügen

König Hassan II. von Marokko (1929 -1999) war für seine Prunkliebe bekannt. In fast allen größeren Städten des Landes ließ er sich einen Provinzpalast bauen, einen besonders prächtigen, mit Golfplatz, auch in Agadir. Man nannte Hassan (namentlich im Ausland) deshalb einen Verschwender. Doch so ganz furchtbar arm ist Marokko nun auch wieder nicht; zum Ausgleich kaufte der König dann eben ein paar Panzer weniger.
Sohn Mohammed VI., der jetzige König, frönt dem Golfsport (außer bei einigen offiziellen Anlässen) nur in bescheidenem Umfang, dafür aber umso mehr sein Bruder Moulay al Rashid, der auch in Agadir gern mal den Schläger schwingt. Die väterliche Tradition wird jedoch fortgesetzt. Eingedenk der Verdienste des verstorbenen Königs um den Sport hat die Fédération Marocaine de Golf (Fax 00212-37751026) ein jährliches Tournament am Leben erhalten, in dem Gruppen von jeweils drei (zahlenden) Amateuren mit einem berühmten Pro in Wettbewerb treten dürfen. Unter den ersteren befanden sich schon mal Alan Shepard (der auf dem Mond das Putten übte) und Sean Connery, ein begnadeter Golfer, wie es heißt. Unter den letzteren ist Bernhard Langer ein vertrauter Name. Es geht, und das schon seit über 30 Jahren, um die Hassan II.-Trophäe, die das Endspiel auf Marokkos berühmtestem Platz, dem Parcours Rouge du Royal Golf Dar Es-Salam in Rabat krönt. Sie wird vom heutigen König höchstpersönlich überreicht. Auch die Damen, die in Marokko keineswegs alle in Sack und Asche umherlaufen, sind als separates Team vertreten; an sie wird der Prinzessin Lalla Meryem-Pokal vergeben.

 

Nähere Informationen zu dieser wahrhaft königlichen Veranstaltung erhält man vom
Staatlichen Marokkanischen Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Str. 59,
40210 Düsseldorf, Tel. 0211-370551.