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Tee time in Tunesien:


Jetzt ist die Zeit den Golfurlaub in Tunesien zu planen

Hans-Joachim Walter machte einen Rundgang für Sie
 



Sanft schwingt die Stimme des Muezzin durch die frühmorgendliche Stille. Vom nächsten Minarett kommt die Antwort: „Der Tag naht, ihr Gläubigen, betet. Beten ist besser als Schlafen". Noch besser freilich wäre es, zum Golfspiel aufzubrechen. Denn das nordafrikanische Land breitet ein wahres Füllhorn aus für die Besucher, die hier mit Ball und Schlägern unterwegs sind. Es reicht von der kontrastreichen bewaldeten Küste über die Hauptstadt Tunis, in deren Weichbild zwei Plätze liegen, bis runter zur touristisch erschlossenen Ostküste mit insgesamt sieben Parcours und westwärts zur maßlos weiten Oase Tozeur, wo dem Spieler eine authentische Sahara Erfahrung vermittelt wird. Als Draufgabe verfügt die Insel Djerba über ein eigenes Spielgelände mit reizendem Dekor.
Kein Wunder also, dass bereits seit fast einem Jahrhundert der Kult um die weiße Kugel gepflegt wird und das Land einst als begehrte Destination für den sonnenhungrigen Golfer galt. Futter für's Fernweh also reichlich.


Noch betroffen durch die sog. „arabische Revolution" und dem Anschlag in Sousse 2015 musste das Land schmerzliche Einbußen und Rückschläge verkraften, ist aber neuerdings wieder dabei, Anschluss zu finden an den riesigen und hart umkämpften Markt der Golf-Reisen.
Es war schon immer das Schicksal Tunesiens, sich mit Problemen und Zwängen auseinandersetzen zu müssen. Es fing an mit den Karthagern.
Heute präsentiert sich der Staat weltoffen und sicher, geizt nicht mit einer Herzlichkeit, die den Europäern abhanden gekommen zu scheint, bürgt für zuverlässigem Sonnenschein und einem Preis-Leistungs-Verhältnis, das einen verlegen zurücklässt (kein Greenfee über € 40 und zudem noch ordentliche Rabatte der teilnehmenden Hotels). Hinzu kommt die problemlose, nur gut zwei Stunden dauernde Flug-Anreise.
Direkte Verbindung von vielen deutschen Airports bietet Tunis Air zur Insel Djerba an, wo der Engländer Martin Hawtree, der grade dabei ist, die berühmten „British Open" Plätze zu modernisieren, dem einzigen Insel-Club den letzten Schliff verpasst hat.

Djerba Golf
 
Drei 9- Holes Schleifen lassen sich beliebig kombinieren, wobei „les Palmiers" und „La Mer" Championship-Standard entsprechen, ohne den weniger geübten Urlauber allzu sehr zu quälen.

Die Fairways sind ausladend, Hindernisse auf das Nötigste verteilt, nichts blendet, alles ist Licht. Auf die spannendste Sequenz stößt man dabei im Bereich der Löcher 6 bis 9 (Les Palmiers) mit seinen Schluchten und fein gezeichneten Approach-Bereichen.

Auf „La Mer" wird ausgerechnet das kurze Par 3 7. Loch lange in Erinnerung bleiben, das direkt auf die Strandlinie zuläuft.
Wenn dem linksähnlichen und mit treuen Grüns ausgestatteten Parcours am Ende die Puste ausgeht, ist dies spätestens vergessen beim Lunch auf der Clubhaus-Terrasse, wo Küchenchef Salin Khanchouch mit frischesten, landestypischen Gerichten überrascht. 
Kein Wunder, der Mäitre hat elf Jahre in Deutschland gearbeitet und sich einst im badischen Kuppenheim einen Michelin Stern erkocht, um danach in seine Heimat zurückzukehren.

Wer in Tunis aufsetzt, wobei das Bag kostenfrei von der Airline befördert wird, sollte, bevor er die bekannten Ferienorte der Ostküste aufsucht, sich der Mühe unterziehen, den Abstecher nordwestwärts nach Tabarka zu wagen. Die überaus reizvolle Strecke mit Landschaftsbildern, die mal an die Toscana, mal an die Provence erinnern, führt über Mateur und Sedjenane (170 km, davon knapp die Hälfte auf brandneuer Autobahn) zum heutigen Mekka der Korallenfischerei.
Der touristisch noch nicht gebeutelte Ort ist berühmt für seine vorgelagerte genuesische Festung aus dem16. Jahrhundert und den besten Krustentieren im Mittelmeer Raum (auszuprobieren etwa im Restaurant Barberousse, dessen Besitzer seine Garnele mit lakonischer Beiläufigkeit als „Kaiserin des Meeres„ anpreist). Ihnen ist ein eigenes Fest jedes Jahr im Juli gewidmet ist.
Unser eigentliches Ziel ist jedoch der

Tabarka Golf Club

Tabarka: ein Name wie ein Trommelwirbel, ein Platz wie ein Paukenschlag.  Hier wird das hohe Lied von der magischen Verbindung zwischen Wald, Hügeln und Meer angestimmt.
Natur im Rohzustand, Drama und Verträumtes liegen eng beieinander, das Auge ist entwaffnet. Dazu ein Design aus der Feinschmeckerabteilung unserer Sportart.
Was zuvor in grüner Asche vor sich hindämmerte (der Course wurde bereits 1992 eröffnet), hat Ronald Fream nach vierjähriger Umgestaltung zu Hochform verholfen.
Kapriziös tänzelnde Korridore bauen auf der ersten beiden Löchern einen Spannungsbogen auf, den die Runde in der Folge nicht mehr aus der Hand gibt.
Dann folgt mit den Bahnen 3 bis 7 der Hochseilakt entlang der Küstenlinie, wobei insbesondere das kurze 3. Loch an die besten Exemplare von Carmel Valley erinnert, wo immerhin Schwergewichte wie Pebble Beach oder Cypress Point liegen.

 

Auch beim Abschnitt 15 bis 17 hatte der Kalifornier gewiss seine Heimat vor Augen und lässt die einen Steinwurf entfernte Brandung trockenen Fußes an Land gehen. Dazwischen hüpfen und kegeln die Fairways über waldreichen Boden, wird die Festungsinsel beim Drive am 14. Loch ins Visier genommen.
Zwischendurch könnte man den Atlas-Hirsch beobachten, der wie ein Ehrenmitglied das Gelände durchschreitet oder Wildschweine an Etiquetten-Verstößen hindern. 

Die Grüns sind mit feinsten Wellen-bewegungen geschmückt, drei Gewässer lauern auf die geringste Irritierung des Balles.
Auch wenn mir der letzte Schlag über den größten See am 18. nicht gelingen sollte (immerhin 170 M carry), schlage ich entzückt die Partitur dieses Parcours zu. Ein Bijout unter den Diamanten!

Noch ist Tabarka-Golf ein Geheimtipp, was sich spätestens dann ändern wird, wenn der vorhandene Regional-Flughafen auch international aufgerüstet.
Für die Aussicht auf eine steile Karriere braucht nicht die Kristallkugel bemüht werden.

The Residence Golf Club Tunis

Zurück nach Tunis sollte man unverzüglich den The Residence Golf Club ansteuern, der im vornehmen Diplomatenvorort Gammarth beheimatet ist. Tatsächlich hat man keinen geringeren als Robert Trent Jones jun. mit dem Setup beauftragt.
Der Meister der Avantgarde ist eigentlich dafür bekannt, mit dickem Pinselstrich zu arbeiten. Wo er hinschaut, wächst zwar noch Gras, aber es tun sich Abgründe, Untiefen auf.
Nicht so hier. Behutsam ist der Amerikaner auf die Sensibilität der Domäne eingegangen. Wir befinden uns inmitten eines Naturschutzgebietes voller ungezählter Vogelarten. Salzseen, die das Gelände begrenzen und dutzendfach ins Spielgeschehen eingreifen, verleihen der Runde mit ihren spiegelnden Reflexen ihre Unverwechselbarkeit.
Zurückhaltung freilich ist beim Design ein dünnes Seil, von dem man beim Balancierten leicht fallen kann. So etwa beim heroisches Par 3 fünften Loch, das sich ein packendes Duell mit dem Gewässer liefert und der vergleichsweise zurückhaltenden Auftaktphase abrupt den Garaus macht. Auch das filigrane 10. Loch, als schwerstes eingestuft, legt sich bei engem Grünzugriff mit einem der vielen Wasserhindernisse an.
Westwärts gerät ein Stück des gewaltigen, nördlichen Atlas-Gebirges ins Blickfeld, vor allem aber der Hausberg „Bovc EI Kornine" Karthagos, der als Wahrzeichen der einstigen phönizischen Siedlung gilt und mit höckrigen Gipfel die Vorstellung weckt, Hannibal reite gerade noch einmal vorbei. Staunenswert in der Folge auch das 13. Loch, das sich wie ein maßgeschneidertes Sefsari, ein Kleidungsstück, mit dem sich vor allem ältere Frauen vor den Blicken der Männer verhüllen, dem Salzsee anschmiegt.
Wer selbstbewusst in seinen Spikes steht, kann am 18. versuchen, mit dem zweiten Schlag den direkten Weg über das Gewässer zum Grünangriff zu wählen, um so der beachtlichen Bahnlänge von 540 Metern den Zahn zu ziehen.
Auch das Clubhaus bedient alle Wünsche und verfügt sogar über einen eigenen Pool.

Golf Citrus Hammamet

Schnurstracks geht es weiter südlich an die Ostküste, wo die bekannten Badeorte liegen, Tummelplätze sonnenhungriger Europäer, aber auch gesuchtes Ziel der Einheimischen. Im Dunstkreis von Hammamet, das trotz des Touristenrummels sein authentisches Flair bewahrt hat, stoßen wir auf Golf Citrus, der erste Komplex des Landes mit 45 Löchern.


Parcours „Les Oliviers" (Bild oben) und „Le Foret" (unten) sind die Hauptdarsteller hier, während der 9-Löcher Executive Course vor allem bei Anfängern Anklang findet, ohne von einer „Pitch and Putt" Situation sprechen zu wollen.

Wem nur ein Tag zur Verfügung steht, sollte sich dem anspruchsvolleren und technisch makellosen Parcours „Le ForeI" zuwenden. Wohin die Reise geht, weiß man nach einem etwas unentschlossenen Auftakt noch nicht so recht. Eines weiß man aber ganz genau: Zu Hause bleiben will man auf keinen Fall. Eine verschwenderische Vegetation kleidet den Platz ein, das Auge kann ungehindert über mannigfache Hügel spazieren gehen, dann und wann gerät das nahe Meer ins Gesichtsfeld. Eine Runde wie auf Händen getragen! Mehr als ein Dutzend Mal katapultiert der Abschlag in die Tiefe (besonders eindrucksvoll an den Löchern 2, 3 und 13 zu beobachten), haben die Par 3 ihren filigranen Auftritt (Loch 4 !!) und wird den langen Bahnen mit klug gesetzten Hindernissen jedwede Grobheit genommen. Unvergesslich dabei das 8. Loch, das auf der ganzen Länge von Wasserkaskaden begleitet wird. Der sichere Weg rechter Hand ist so schmal wie der Stil einer Schischah, der tunesischen Wasserpfeife, ohne die die Kaffeehaus-Kultur am Ende wäre. Obwohl mittlerweile entschärft, dürfte der letzte Drive über das Wasserhindernis am 18 Hole (mindestens 180 Meter carry) für die meisten eine unüberwindliche Hürde sein. Echte Fluchtwege habe ich auch bei näherem Hinsehen nicht ausgemacht. Indes, schöner kann man eigentlich nicht scheitern.

EI Kantaoni

Eine gute halbe Stunde weiter südlich ist Port EI Kantaoni ein weiteres Muss einer Golfsafari durch Tunesien.
Die Ortschaft, einst im maurischen Stil erbaut, gilt als das „St. Tropez" des Landes, möglicherweise wegen seines opulenten Yachthafens und dem internationalen Flair.

 

 

 

 




Am südlichen Rande liegt der EI Kantaoni Golf Club mit seinen zwei Plätzen. Clubdirektor Jalel Ayache wird nicht müde, mitzuteilen, daß seine Anlage, die sich über maßlose 130 Hektar erstreckt, mehrfach als die beste ausgezeichnet wurde.
Mit der Wiederauferstehung von Tarbaka wird er es aber schwer haben, diesen Titel zu verteidigen.




Tatsächlich überrascht der Parcours „Panorama" , der einen tausendjährigen Olivenhainhügel nutzt, mit einer hochästhetischen, komplexen Spielabfolge. Postkarten-Löcher wie auf der Strecke sechs bis acht haben das Mittelmeer aus der Vogelperspektive fest im Auge, während einige Barrancas, die im Flug genommen werden müssen, für den technischen Touch sorgen. Routineübungen sehen anders aus.
So nebenbei mutiert die Runde auch mit einer Begegnung mit der mehr als tausendjährigen Geschichte des Landes, wenn es an historischen Brunnen und Bewässerungsanlagen vorbeigeht. Auch die zahlreichen Toiletten-Häuschen haben schon andere Epochen gesehen.
Als Kontrastprogramm dient der „Sea Course" in Beachnähe, dessen breite Fairways den spielerischen Drang befeuern, obgleich manch ein Oliven-, Granatapfel-, oder Eukalyptusbaum für Bodenhaftung sorgt. Gerne indes, und das gehört zur objektiven Platzeinschätzung zwingend dazu, hätte ich mir hier lebendigere Bahnen gewünscht mit mehr Bewegung.
Der Hymne auf das vielgelobte kurze 14. Loch, das tatsächlich direkt an der schönen Strandlinie endet, kann ich mich nicht anschließen. Zu flach, zu lieblos kommt dieses Par 3 daher und auch der riesige Bunker linker Hand, eine Art Elefantengrab, ist nicht mehr als eine künstlich wirkende Nebennote auf und der hilflose Versuch, dem Loch etwas mehr Spezifität zu geben. Versöhnen konnte mich aber letztlich das Finale, ein mittellanges Par 4, dessen Grünangriff alternativlos über das frontale Gewässer erfolgt. Sehr gut ausgestattetes und komfortables Clubhaus.

Monastir Golf Club

Zum Abschluss empfiehlt sich zwingend ein Besuch des Monastir Golf Clubs, der in der Nähe des internationalen Flughafens liegt und exakt am 4. November 2017 nach längerer Unterbrechung die Verbindung zu verschiedenen Zielen in Deutschland wieder aufgenommen hat.
Auf diesem Platz ist Golf in kontrastreicher Landschaft garantiert. Das verbesserungswürdige Greenkeeping habe ich als Momentaufnahme wahrgenommen, da die beiden 9-Löcher Streifen soeben ein dreijähriges Lifting hinter sich haben.
Das auf dem Parcours „Flamingo" anspruchsvolle und für einen Designer schwer zu gestaltendes Terrain hat Robert Fream gezügelt, allerdings mit tiefen Schnitten in das Fleisch der Gewohnheit.
Dabei scheint ihm bei der Zeichnung der ersten beiden Grüns das Tintenfass umgefallen zu sein:
Puttfläche wie auf einer Wippe mit dem Hang zu Purzelbäumen. Dann aber geht es auf die Hochebene, der Puls der Partie beruhigt sich und bietet feine Aussichten auf die zahlreichen Salzseen („sebkha" genannt), die Monastir umgürteln.
Unterwegs sind mehr als 2.000 Olivenbäume zu bestaunen, buhlen stattliche Gewässer um Aufmerksamkeit, während auf der Schleife „La Mer" sieben Löcher der Küstenlinie folgt. Dann geht die Sonne unter und leuchtet rot wie eine Garnele aus Tabarka.
Für Golfer, die beschlossen haben, Tunesiens faszinierende Golflandschaft zu erkunden, geht soeben die Sonne auf. Ich verspreche es Ihnen.

Hotelempfehlungen

Vorbemerkung:
bei der Auswahl ist die Nähe zu den jeweiligen Golfplätzen und ein kostenloser Shuttle dorthin ein wichtiges Kriterium.


Für GC Djerba:
Robinson Djerba Bahiya. Eine der besseren Unterkünfte aus dem Portfolio der gewaltigen
Robinson-Group auf weitläufigem Gelände
Tel: 00216 75 745500

Für GC Cigale Tabarka:
Cigale Tabarka Hotel. Zwischen Privatstrand und 1. Tee gelegenes vorzügliches 5+ Hotel Familienbesitz
Tel: 00216 700 019000

Für GC The Residence:
The Residence Tunis Hotel. Gehört zur feinen Gruppe The Leading Hotels oft he World.
Mit strengem Blick könnte man Renovierungsbedarf anmelden!
Tel: 00216 71910101

Für GC Citrus:
Sentido Phenicia Hammamet Hotel. Die Gruppe Sentido ist der Platzhirsch in Tunesien.
Schön gelegen in einem riesigen Park. Etwas rummelig.
Tel: 00216 7222 6533

Für GC EI Kantaoui:
Seabel Alhambra Beach Golf & Spa in Port EI Kantaoui. An einem der schönsten Strände des Landes gelegen.
Herzlich geführte 4 Y2+ Sterne Hotel. Tel: 00216 73 246 400

Für GC Monastir:
Royal Elyssa Thalasso & Spa, Monastir. In Familienbesitz befindliche 5+
Luxusherberge am Strand mit riesigem Park. Auf der Spa-Etage Zimmer mit Schwimmbad und eigenen Jacuzzi.
Tel: 00216 7352 0520


Der Autor: Hans-Joachim Walter
Hans-Joachim Walter ist seit Kindesbeinen an dem Golfsport verbunden. Er gehörte der AHerren-Nationalmannschaft an, war Deutscher Jugendmeister und Deutscher Mannschaftsmeister, sowie Runner-up der British Boys Open Championchip. Er hat annähernd 1.500 Plätze weltweit bespielt und darüber in zahlreichen Büchern und Fachmagazinen berichtet. Walter ist der bisher einzige Nicht-Brite, der zum „Sportswriter of the Year" gewählt wurde. Der Rechtsanwalt aus Konstanz am Bodensee ist ständiger freier Mitarbeiter bei GOLFplus, Golf & Country, sowie Golf World.

© Text: Hans-Joachim Walter
Fotos: TB Tunesien