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Marokko:
Auf
dem Weg zur Golf-Destination?
Nur knapp
vier Stunden dauert der Flug von Deutschland nach Marokko. Welcher
Kontrast erwartet die Besucher bei der Ankunft im Königreich?
Ein Flair aus 1000 und einer Nacht in den Medinas der Großstädte, daneben
pulsierendes Leben wie in vielen aufstrebenden Städten anderer Länder.
Immer schneller wachsende Wirtschafts-Zentren prägen auch das Königreich
Marokko.
Die Zahl der Einwohner in den Städten steigt und steigt.
2009 werden in Agadir über 800 000 Einwohner gezählt.
Die Städte platzen also aus allen
Nähten. Die Infrastruktur an Wohnraum, Strassen, die Grundversorgung mit
Energie, Wasser und vielem mehr kann mit dem Wachstumstempo kaum Schritt halten.
Marokko kämpft mit den gleichen Problemen wie andere Länder, in denen die
Wirtschaft wächst. Die Strassen können den wachsenden Verkehr kaum noch
aufnehmen. Der Wohnraum wird knapp.

Auch vermutet der
Besucher dass die Armut zu nimmt.
Die Zahl der Bettler scheint dies jedenfalls zu bestätigen.
Anders in den noch überwiegend, landwirtschaftlich geprägten Regionen des
Landes. Hier läuft das tägliche Leben anscheinend noch wie vor 100 Jahren ab.
Das Hauptverkehrmittel auf dem Lande scheint immer noch, neben dem Fahrrad, der
Esel zu sein. Handwerker und Bauern arbeiten oft noch nach den gleichen
Methoden, wie die Eltern und Großeltern.
Und dann gibt es da noch die fast unberührte Wüsten-Landschaft, in der sich
anscheinend nichts geändert hat. Hinter jeder Düne, hinter jedem Felsen erwartet
man Karl Mays „Kara Ben Nemsi“ zu erblicken.
In den Altstadtkernen der größeren Städte - in Marokko Medina genannt – scheint:
„Die Zeit ist stehen geblieben“. Für uns Mitteleuropäer wird eine Welt aus 1000
und einer Nacht Wirklichkeit.
In den orientalischen Souks findet man alles, was
das Herz begehrt. Hier heißt es sehen, riechen, staunen und handeln, handeln und
nochmals handeln. Aber achten Sie darauf, weder der Verkäufer noch der Käufer
dürfen dabei das Gesicht verlieren.
Die Touristenviertel mit den modernen Hotelanlagen, mit den vielfältigen
Angeboten zur Freizeitgestaltung, mit modernen Einkaufszentren, liegen oft am
Rande der Städte (z.B. Agadir).
Damit sind wir beim Thema „Golf“ angekommen. Ziel meines Besuches war es,
herauszufinden, ob sich Marokko schon als eine Golf-Destination bezeichnen und
sich gegen die Konkurrenz aus anderen Ländern behaupten kann.
Heute 2009 gibt es im Königreich Marokko bereits 17 Golfanlagen, die sich im
Schwerpunkt auf die Regionen um Rabat, Fez und Meknes, dem Herzen der
marokkanischen Kultur, auf Agadir einem Badezentrum an der Atlantik-Küste und
auf Marrakesch am Atlas-Gebirge verteilen. Bereits um 1920 wurde in Agadir mit
dem Royal Agadir GC, der erste Golfplatz des Landes gegründet.
Weitere 20 Golf-Anlagen sind im Bau oder in Planung. 6 Anlagen in der Region
Agadir, 4 Anlagen in und um Marrakesch, sowie 3 Anlagen an der Mittelmeer-Küste.
Nicht zu vergessen, das große Plus von Marokko ist das meist beständige Wetter
in unseren Wintermonaten.
Für meinen Besuch habe ich Agadir und Marrakesch ausgewählt
Nach
vier Stunden reiner Flugzeit ab Frankfurt sind wir, eine Gruppe von neun Golfern,
in Agadir gelandet. Von unserer Reisebegleiterin Layla Qmichou wurden wir am
Flughafen in Empfang genommen.
Mit dem Bus geht es direkt in unser Quartier dem
5 Sterne Hotel TIKIDA GOLF PALACE auf dem Gelände des GC Soleil.

Die Fahrt
durch die Hafenstadt Agadir, der fünftgrößten Stadt Marokkos, ist ein Mix aus
Tradition und Moderne. Hier eine Frau im Kopftuch, begleitet von einer durchaus
europäisch gekleideten Dame in Jeans. Dort moderne Autos, neben einem
Eselskarren.
Die Häuser scheinen planlos in die Wüste gesetzt. Der Verkehr ist
dicht und etwas ungeordnet. Immer wieder Mopeds und Motorräder, Pkw aller
Altersklassen (landen hier vielleicht unsere Abwrackprämien-Autos?) und blaue
Taxis, meist alte Daimler. Auffallend viel Polizei ist im Einsatz, die den
Verkehr regelt und überwacht.
Am nächsten Tag lernen wir endlich den ersten Golf-Platz kennen.
Wir spielen den
zum Hotel gehörenden Platz
Golf du Soleil
Der 18 Löcher Meisterschafts-Course entpuppt sich als gepflegter
Parkland-Course, der geschickt in ein leicht hügeliges Gelände integriert wurde.

Der erste Eindruck, der Platz ist kurz und
leicht, täuscht. Es ist nicht einfach für Golfer über Hcp 18 einen guten Score
zu spielen. Wasserhindernisse, Bunker sowie hohes Buschwerk sorgen für manch
zusätzlichen Schlag.
In Marokko spielt man grundsätzlich mit Caddie. Mein Caddie, Mohamed, (Hcp 9)
hat mir Gott sei Dank beim Lesen der Grüns geholfen. Durch diese Hilfe ist es
mir gelungen einige Drei- oder Vier-Putts zu vermeiden.
Auffallend beim GC Soleil, es waren nur wenige Spieler unterwegs.
Am Abend
befragte ich Layla zu diesem Thema:
„Wir hatten in der Winter-Saison wesentlich
weniger Gäste als in den Vorjahren, das Wetter war schlechter als sonst“, war
die nicht ganz befriedigende Antwort.
Neben dem 18 Löcher Course besitzt der GC Soleil noch 2x9 Löcher, die ich aber
aus Zeitgründen nicht spielen konnte.
Am frühen Abend überraschte uns Layla, bei einer Stadtrundfahrt, noch mit einer
Spezialität die es weltweit nur in der Region Agadir gibt: Dem Argan-Öl.
Layla erklärte uns: „nur auf einer Fläche von ca. 120 Kilometer rund um Agadir
wachsen die Argan-Bäume, sonst auf keinem anderen Platz der Welt.
Aus den
gerösteten Kernen der Früchte wird ein sehr hochwertiges Speise-Öl gewonnen.
Dieses Öl hat, wie wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen, sehr starke Colesterin senkende Eigenschaften!“
Übrigens, das von ungerösteten Argan-Kernen gewonnene Öl wird für Kosmetika
verarbeitet.
Das Speiseöl,
auf das Alfons Schuhbeck immer wieder in seinen Kochsendungen hinweist, hat aber auch seinen Preis: In Marokko kostete der
Liter Argan- Öl vor 10 Jahren noch 7.- bis 10.- Euro. Heute liegt der Preis bei
ca. 40.- bis 70.- Euro.
In Frankreich liegt der Preis bei ca. 200.- bis 300.-
Euro und in den USA bei bis zu 800.- US-Dollar!
Bei einem Ausflug ins rund 70 km entfernte Städtchen Taroudant konnten wir uns
davon überzeugen, neben Palmen wachsen hier fast nur Argan-Bäume.
Der Ausflug
nach Taroudant lohnt: Innerhalb der alten Stadtmauer, die die Medina umgibt,
glaubt man sich um Jahrhunderte zurückversetzt.
GC Dunes der
Platz von Club Med
Platz
zwei in Agadir den wir gespielt haben, war der GC Dunes, der zum Club Med
gehört. Der GC Dunes hat 3x 9 Löcher. Der Eingang liegt nur wenige Autominuten
vom GC Soleil entfernt.
Eine tropische Baumlandschaft umgibt die meisten Spielbahnen und Grüns.
Die
Anlage ist bestens gepflegt, dank einer erstklassigen Bewässerungs-Anlage.
Insgesamt geht es im GC Dunes aber etwas hektischer zu, als beim GC Soleil.
Der
Caddie-Master führt ein strenges Regiment. Natürlich auch hier Caddie-Pflicht,
die vom Caddie-Master wiederum aufgefordert sind, die Gäste möglichst schnell
über die Runde zu „hetzen“.
Beachten Sie, bei DC Dunes kostet alles extra, für Greenfee + E-Kat +
Caddiegebühr + Trinkgeld müssen Sie mit rund € 120,- rechnen. Sie bezahlen Greenfee, Sie bezahlen für den Caddie eine Grundgebühr an den Club, Sie bezahlen
für das E-Cart . und nach der Runde die Überraschung, Sie geben dem Caddie nicht
nur ein Trinkgeld, nein auch den Verdienst des Caddie. Nach meiner Meinung sind
120,- Euro auch für einen gut gepflegten Platz etwas zu viel.
Außer diesen zwei Plätzen gibt es in Agadir noch den ältesten Golfplatz Marokkos,
die 9 Löcher-Anlage des GC Royal Agadir. Dieser liegt am Weg zum Flughafen
außerhalb der Tourismus-Zone, ca. 20 Autominuten vom Tikida Golf Hotel entfernt.
Eine einfache Golf-Anlage, die sich aber sehr gut für einen Golf-Trainingstag
eignet.
In Agadir müssen noch einige Golf-Anlagen gebaut werden, um hier von einer
Golfdestination sprechen zu können. Gebaut und geplant wird bereits, wie wir
durch Zufall erfahren haben.
Nur 500 m von GC Soleil entsteht der GC Ocean, mit 27 Löchern.
Der neue Platz
soll nach Plan jetzt im Sommer 2009 eröffnet werden.
Wie der Name vermuten lässt, soll
es sich um einen Links-Course handeln.
Ich wollte der Sache auf den Grund gehen.
Layla organisierte für GOLFplus eine
Besichtigung des neuen Areals. Bei einer abendlichen Führung erläuterte mir der
Club Direktor Bensalah Abdellah Zemrani : „Die ersten 18 Löcher werden im Juni
2009 eröffnet“. Mir erscheint der Termin sehr unwahrscheinlich, nachdem ich den
derzeitigen Platzzustand gesehen habe.
Auch der angekündigte Links ist nicht
erkennbar. 500 m sind es noch vom Golfplatz bis zum Meer. Eröffnung ist
vielleicht im Herbst möglich, im Winter 2009/2010 wahrscheinlich.
Ein weiterer 18 Löcher-Platz soll in Taghazout, nördlich von Agadir zwischen
Ozean und den Bergen gebaut werden. Termine noch nicht bekannt.
Erste Planungen gibt es noch für einen GC The BEACH.
Wann und wo war leider nicht zu erfahren.
In
vier Stunden Fahrzeit ging es mit dem Bus nach Marrakesch, der vielleicht
aufregendsten orientalischsten Stadt Marokkos. Wir wohnten in der Stadtmitte
gleich neben dem Spiel Casino im 5-Sterne Hotel ES SAADI.
Ein Verwöhn-Hotel mit
hervorragendem Service. Bei einem Aufenthalt in Marrakesch sollten Sie unbedingt
in Stadtmitte logieren, Sie sind dann am Abend unabhängiger.
Zur Medina mit Souk und dem Weltkulturerbe, dem Platz der Gaukler,
Jamaa EL FNA sind es nur wenige Minuten. Zu den Golfplätzen ca. 25 Autominuten.
Gleich nach dem Mittagessen machten wir uns auf, Marrakesch zu entdecken, Unser
Führer Mustafa steuerte auf allgemeinen Wunsch gleich den berühmten Souk an.
Er gleicht einem überdachten Markt, insgesamt sauberer als in Agadir.
Überall enge Gassen mit Ständen jeder Art: Schuhverkäufer, Gewürzhändler,
Lederverkäufer und Gemüsehändler, dazwischen Wollfärber und Metallverarbeiter.
Einfach unglaublich hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Der Geruch wechselt
von Gasse zu Gasse. Einmal riecht es nach frischen Kräutern, dann nach lebenden
Tieren, einmal nach Backstube, dann nach verbrannten Metallen.
Aber wohltuend,
hier werden Sie nicht dauernd belästigt, wie es sonst oft auf Märkten der Fall
ist.
Schnäppchen kann man im Souk von Marrakesch noch finden, man benötigt nur Zeit ,
viel Zeit.
Mustafa erläutert uns: „Marrakesch ist wie eine Reise in die Vergangenheit aber
auch gleichzeitig ein Leben in der Gegenwart“.
Zu Beginn der Dämmerung erreichen wir den Platz der Gaukler, hier tobt das
Leben. Wir haben das Herz von Marrakesch erreicht. Es gibt Shows mit Affen und
Schlangen, die Musik tönt aus allen Ecken. Auf der riesigen Fläche steht
Essenstand an Essenstand. Trubel, wohin das Auge schaut. Ich bin einfach von den
Eindrücken überwältigt.
Aber eigentlich sind wir doch wegen Golf in Marrakesch
Heute geht es zum GC Amelkis.
Ab Herbst 2009 wird aus der 27 Löcher eine 36
Löcher-Anlage. Der bestens gepflegte Golf-Course hat breite Fairways, einige
große Palmen Gruppen und viele, große, steinigen Waste-Zonen.
Wir haben uns
entschlossen unsere Schläger zu schonen und den Ball besser zu legen. Aber in
einem Turnier?
Die Grüns sind alle schwierig zu spielen.
Herrliche Blicke auf
das Atlas-Gebirge geben einen einmaligen Hintergrund für eine traumhaft schöne
Runde.
Wussten Sie, der mit über 4100 m höchste Berg Marokkos überragt unsere
Zugspitze um mehr als 1000 m.
Beim GC Amelkis macht Golfen einfach Freude.
Die Caddies aufmerksam, gut
ausgebildet. Sie müssen auch nicht wie beim GC Dunes in Agadir zwei mal bezahlt
werden.
Der zweite Golf Club in Marrakesch
ist der GC Palmerie
Schon die Fahrt zum
Platz ein Erlebnis. Sie führt einige Kilometer durch einen Palmenhain, in dem
auf 5 bis 6 Plätzen Kamele, nein in Marokko sind es Dromedare, mit ihren
Treibern auf Kunden für einen Ritt warten.
Der von Robert Trent Jones designete 27 Löcher-Platz (siehe auch 1. Bild oben
rechts) wird leider an einigen
Spielbahnen immer mehr von Ferienhäusern eingeengt. Schade.
Die eigentlichen Hindernisse sind aber sieben Seen, die strategisch geplant,
überwunden werden müssen.
Wenn man den Platz nicht kennt, sind einige
Überraschungen inbegriffen. Aber Sie spielen ja mit Caddie, der hilft immer.
Das Club-Restaurant überrascht mit einer guten Küche.
Besichtigt haben wir auch den bekannten GC Royal, mit seiner Leadbetter Golf
Academie. Der Course machte bei der Besichtigung einen sehr guten Eindruck. Die
Spielbahnen teilweise sehr eng, aber fair. Schade, dass die Zeit zum spielen
nicht ausreichte. Es soll sich um den interessantesten Course in Marrakesch
handeln.
Golf-Anlagen in der Region um Marrakesch, im Bau bzw. in Planung:
GC Samanah, designet von der Jack Nicklaus Group. Geplante Eröffnung noch 2009.
GC Al Maaden , ein 18 Löcher Course. Geplante Eröffnung ebenfalls noch 2009.
GC Mogador, 3x 18 Löcher. Designet von Gary Player. Anlage im Bau, geplante
Eröffnung der ersten 18 Löcher,
für 2010.
In Qukaimeden planen die Marokkaner den angeblich höchsten Golfplatz der Welt.
Keine näheren Termine sind bekannt.
Mein persönliches Fazit:
Die Frage ist Marokko eine Golfdestination? kann man eigentlich mit einem noch
etwas eingeschränkte ja beantworten.
Die vorhandenen Plätze sind gut, der Service ist gut. Die Greenfees sind noch
moderat, die Nebenkosten teilweise überhöht, wie z.B. im GC Dunes in Agadir.
Interessant für einen Marokko Golf-Urlaub erscheint die Kombination Agadir +
Marrakesch.
Wer auf Strand und Wasser verzichten kann sollte sich mehr nach Marrakesch
orientieren, hier erlebt man deutlicher den Königsstaat Marokko mit seinem
historischen Hintergrund als in Agadir.
Die im Bau befindlichen Golf-Anlagen werden dringend benötigt, um mit anderen
Golf-Destinationen, wie z.B. Belek/Türkei konkurrenzfähig zu bleiben.
Weitere Infos:
www.tourismus-in-marokko.de
Mietwagen sind bei Reisen
ein wichtiger Kostenfaktor. Denken Sie daran
Mietwagen
Marokko, Mietwagen Preisvergleich
www.mietwagen-auskunft.de/marokko/
Text: Klaus Pfeffermann
Fotos: Klaus Pfeffermann und
Tourismus-Büro Marokko

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