Ein- und Ausblicke im Hotel „Fritsch am Berg“

Ruhe im Kopf vor dem Schlag

Ein- und Ausblicke im Hotel „Fritsch am Berg“

Wer den Siebzigsten bei leidlicher Gesundheit und einigermaßen klarem Kopf längst hinter sich gelassen hat, sollte sich für den kostbaren Rest seines Daseins keine größeren Sprünge mehr vornehmen.

Altersbedingt habe ich mich auch beim Golf auf einem akzeptablen Niveau eingerichtet, hege keinen sinnlosen oder womöglich kostspieligen Ehrgeiz mehr und schaue dann und wann auf meine Pokale im Keller. Sie erinnern mich an frühere Zeiten, verstellen mir heute aber nur noch den Weg zum Weinwinkel.

Aber da gibt es das Boutique Spa Hotel „Fritsch am Berg“, das den verführerischen Namenszusatz „Mental-, Spa- & Gesundheitszentrum“ führt. Mit seinem Mentalen Golfprogramm verspricht es Ruhe im Kopf vor dem Schlag – ohne mir damit in meine über Jahrzehnte gewohnte Schwungtechnik hineinpfuschen zu wollen.

Diesem Sirenenklang bin ich vor Kurzem gefolgt, da „Ruhe im Kopf vor dem Schlag“ nie zu meinen besonderen Stärken gehörte.

Ein Blockbuster-Blick auf den Bodensee

Bevor ich mich zu diesem Coaching näher auslasse, muss ich unbedingt auf diese Herberge eingehen, die man auch als passionierter Nichtgolfer innerlich und äußerlich gestärkt verlassen wird.

Das Haus mit seiner charmanten Größe – nur 35 Zimmer und acht neue „Freiraum“-Unterkünfte direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite – liegt auf etwa 800 Metern Höhe im oberen Teil des Pfänderhangs am Rande des Bregenzerwaldes.

Der Ausblick ist zum Niederknien: Ungehindert saust der Blick über die Altstadt des Inselortes Lindau hinweg auf die meist glitzernde Fläche des Bodensees. Erst am hellen Kalkgebirge des Alpsteins mit dem Säntis als höchster Erhebung bleibt er hängen, während einem östlich die weich geformten Gipfel des Bregenzerwaldes über die Schulter schauen. Dort bilden die mehr als 2.000 Meter hohen „Drei Schwestern“ den Kassenschlager der Kulisse.

Wenn es so etwas wie den Blockbuster-Blick auf den Bodensee gibt, dann hier.

Das Haus wird mit großem Gefühl fürs Leben geführt. Zahlreiche Familienmitglieder packen ordentlich mit an und unterstützen die vielen freundlichen und zugewandten Mitarbeiter. Selbst die betagte Altwirtin kann man dabei beobachten, wie sie in einer stillen Ecke kunstvoll die Stoffservietten fürs Dinner faltet.

Schon beim Eintritt in die Lobby wird angesichts der bodentiefen Fenster, die die Natur hereinlassen, der warmen Holzböden sowie der dunkelgrünen Sessel und Fauteuils deutlich: Zwar handelt es sich hier um ein Wellnesshotel, in erster Linie aber haben wir es mit einem Seelenöffner zu tun.

Ein durchdachtes Raumkonzept bietet sowohl Rückzug als auch Begegnung. Das heimelige, von stilsicherer Hand gestaltete Interieur setzt sich in den großzügig geschnittenen Zimmern fort. Sie bieten einen legeren Luxus und sind in angenehmen Farben gehalten.

Frühstück und Abendessen werden auf der Panoramaterrasse unter schneeweißen Sonnenschirmen serviert, ebenso ein leichtes Lunch, das in der Halbpension enthalten ist. Chefkoch Thomas Fritsch orientiert sich an regionalen und saisonalen Produkten und scheut sich nicht, Ausflüge bis nach Asien zu unternehmen.

Alles schmeckt sehr gut und ist gesund. „Die Natur steht über uns“, sagt der Juniorchef und versucht erst gar nicht, sie auf seinen Tellern zu übertrumpfen. Schnörkellosigkeit und Respekt vor dem Produkt – das sind die Leitlinien seines Kochens.

Und wenn dann ein Sonnenuntergang, den man im Dreiländereck nirgendwo spektakulärer erleben kann als „am Berg“, Tellerfreundschaft mit dem luftigen Dessert schließt, sieht man die Welt buchstäblich von oben.

Wellness für Körper und Kopf

Der Spa-Bereich will all dem nicht nachstehen. Der Innenpool ist mit Granderwasser gefüllt, außerdem gibt es zwei Saunen und zwei Dampfbäder. Massagen und Packungen aller Art können gebucht werden. Es duftet nach Heu, was auch daran liegt, dass die Wände mit frisch gebundenen Heuballen geschmückt sind.

Damit sind wir im Reich von Diana Sicher-Fritsch und ihrem „Mentalen Gesundheitszentrum“ angekommen.

Die vielfältig begabte Frau mit ansteckender Begeisterung für alles, was sie unternimmt, kann es sich erlauben, mit ihrem Schulabbruch zu kokettieren – die Matura hat sie allerdings später nachgeholt. Ihre Visitenkarte weist sie als „Expertin für leichtes Leben“ aus.

Ungefragt rät sie allen Frauen, wenn überhaupt, nur einen Koch zu heiraten. Dann sei das Leben „glücklich, gelassen und gesund“.

Sie ist tief in die Frage eingestiegen, was mit uns kurz vor dem Schlag passiert. Klassisches Golftraining setzt am Schwung an. Das bleibt nach wie vor wichtig und richtig. Aber es löst ein grundlegendes Problem nicht: Welchen Beitrag leistet unser Kopf?

Was hat im entscheidenden Moment nicht gestimmt? Ein unbequemer Gedanke vielleicht, eine unerklärliche Anspannung oder womöglich das Echo des letzten verirrten Schlages?

Unter Druck klar zu bleiben, ist der Ansatz ihres mental strukturierten Coachingprogramms. „Wir arbeiten nicht am Schwung, sondern an dem Moment davor“, lautet ihr Hauptmotto.

Wenn der Kopf ruhig wird, wird auch der Schlag klar, lautet ihre Devise. Man kann Regeln dafür entwickeln, wie man mit missratenen Schlägen umgeht, eine echte Routine für mentale Stabilität aufbaut und loslässt, ohne an Konzentration einzubüßen.

Um Antworten darauf zu finden, geht es ins Labor. Biofeedback heißt das Stichwort. Mithilfe wissenschaftlicher Messungen werden Atemrhythmus, Muskelanspannung und Herzratenvariabilität sichtbar gemacht.

Ein Augen-Wellness-Programm gehört ebenfalls dazu, denn Sichtfeld und Zielblick sind trainierbare Fähigkeiten. Auch Werte zu Körpergewicht, reiner Fettmasse, fettfreier Masse und Wasserverhältnis lassen tief ins körperliche Befinden blicken.

Wenn man nach all diesen Ergebnissen im „grünen Bereich“ liegt, darf davon ausgegangen werden, dass auch der Kopf für den Moment vor dem Schlag bestens präpariert ist.

Die Mentalen Golf-Arrangements sind kein starres Paket, sondern lassen sich individuell oder für Gruppen zusammenstellen. Zeit zum Golfen und zum Testen des Erlernten bleibt ebenfalls. Schließlich liegt das „Fritsch am Berg“ nahe an mehreren erstklassigen Plätzen.

GC Lindau-Bad Schachen: springlebendig mit fast achtzig

Gleichsam ums Eck befinden sich mit dem GC Lindau-Bad Schachen und dem GC Bodensee-Weißensberg zwei Hochkaräter.

Ersterer geht selbst schon auf die achtzig zu, ist aber springlebendig und fern von Altersringen. Die ersten neun Löcher wurden in den frühen 1950er-Jahren von Bernhard von Limburger angelegt und später von Kurt Rossknecht auf die vollen 18 Löcher erweitert.

Beide Designer gehören zum Besten, was Deutschlands grüne Bühne in der Nachkriegszeit aufzubieten hatte. Ihre Entwürfe sind von wunderbar unaufgeregter Kunstfertigkeit und beweisen, dass sie vom Nektar der Altersweisheit ausgiebig gekostet haben.

Die Runde des GC Lindau-Bad Schachen stellt sich ganz in den Dienst ihres einzigartigen Panoramas. Bodensee und funkelnde Alpen bilden eine herrliche Kulisse – besonders vom siebten Grün aus.

Aber man sollte sich vor sorglosen Schritten hüten. Fein gezeichnete Doglegs, etliche Tümpel und einiges an Bäumen fordern jede Menge Konzentration. Nichts ist ungeschützt.

Das kurze 16. Loch ist allein jede Reise wert: eines der spannendsten Par 3 des Landes, isoliert gelegen und eingerahmt wie ein Bild. Über einen grünen Orchestergraben geht es auf das in den Hang geschnittene Grün – 212 Meter!

Die Puttfläche hat mächtig Schlagseite, bietet dafür aber einen spektakulären Ausblick auf den See und die Berge ringsum. Der Pflegezustand ist tipptopp, die Art, mit Gästen umzugehen, war es schon immer.

Auch das 17. Loch hat das Zeug zum Signature Hole: ein ästhetisch und spieltechnisch brillantes, kurzes Par 4. Wieder nimmt einen der bereits erwähnte Postkartenblick sogleich gefangen.

Vom hoch gelegenen Tee geht es bergab. Im gelungenen Drivebereich lauert ein quer verlaufender Bach, dem ungeübte Akteure nur mit Fortune aus dem Wege gehen können.

Mir ist es noch nie gelungen.

GC Bodensee-Weißensberg: Golf ohne Zugeständnisse

Von hier sind es nur wenige Drives zum Golfclub Bodensee-Weißensberg. Der einzige Platz des legendären Robert Trent Jones Senior auf deutschem Boden ist Pflichtprogramm für jeden ernsthaften Golfer.

Allerdings hat der Gründer der grünen Avantgarde auch hier keinen Zweifel daran gelassen, worin seine Kernkompetenzen bestehen: Fairways, die Funken schlagen, messerscharf gesetzte Bunker – an die 100! – und Grüns, auf denen man sich „wund“ putten kann.

Der knapp 6.000 Meter lange Platz gilt mit einem schwindelerregenden Slope-Wert von 143 als einer der schwersten des Landes. Das hat sich auch durch beachtliche Nachjustierungen in den vergangenen Jahren nicht geändert.

Gemeint ist insbesondere der von einem Steinwall eingefasste Ringteich, der beim Grünzugriff gleich zweimal zu überwinden ist. Nimmt man den neuen Teich am achten Loch hinzu, kann man angesichts weiterer Feuchtbiotope auf den ersten neun Löchern sein persönliches „Waterloo“ erleben.

Alle kurzen Löcher haben bei gleichbleibender technischer Brillanz etwas Mustergültiges und decken die ganze Bandbreite des Golfsports ab. Aber auch kopfgesteuerte Naturliebhaber kommen angesichts der Vielfalt der Fauna auf ihre Kosten.

Der Bodensee in Reichweite lässt sich allerdings nur kurz blicken – beim Anstieg zum zehnten Loch. Irgendwie benötigt man ihn auch nicht als Draufgabe.

Dieser Platz hat eine Melodie, und jeder Ton stimmt. Kommen Sie einfach mit. Aber das Atmen dabei nicht vergessen!


Informationen

Hotel Fritsch am Berg
www.fritschamberg.at

Golfclub Lindau-Bad Schachen
www.gc-lindau-bad-schachen.de

Golfclub Bodensee-Weißensberg
www.gcbw.de

Redaktion GP GOLFplus
Text: Hans-Joachim Walter